Es ist fast unmöglich, ein Volk wirklich kennen zu lernen, wenn man nicht einen wesentlichen Teil seiner Kultur kennt: seine Küche. Sich in die schmackhaften Gefilde der menorquinischen Küche zu wagen kann zu einer ebenso köstlichen wie lohnenden Herausforderung werden.

Es muß vorausgeschickt werden, das die Küche Menorcas so einfach wie abwechslungsreich ist. Eine Küche, welche im wesentlichen auf den Früchten der Jahreszeit basiert. Fisch und Meeresgetier, Fleisch, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse, natürlich abgerundet durch eine reichhaltige und traditionelle Nachspeise.

Die von erfahrenen Händen aufgrund von Generation zu Generation weitergereichten und erprobten Speiserezepten zubereiteten Gerichte verleihen dieser Küche eine ganz eigene Persönlichkeit. Das erhabenste und bekannteste Gericht ist ohne Zweifel die Langustensuppe "caldereta de langosta", aber sie ist nicht das einzige. Die umfassende Vielfalt menorquinischer Kochkunst hat einige Gaumenfreuden zu bieten, die man nicht auslassen sollte: von der schlichten, beinahe bescheidenen Köstlichkeit eines guten "oliaigua" bis zur Üppigkeit eines mit Kartoffeln im Ofen gebackenen Fisches - sie es Barsch oder Brasse -, oder einige wohlschmeckende gefüllte Auberginen, Rebhuhn mit Kohl, der zarte Geschmack eines Fisches wie des "raó" und Meeresgetier wie die "escupinya" oder die "dátil", die Meeresdattelmuschel, oder der althergebrachte "arròs de la terra", Erdreis etwa, aber auch zum Nachtisch einen unserer zahlreichen Desserts wie die "pastissets" "crespells" und "amargos", oder appetitliche Leckerbissen wie die "felipas turcas" und die Spritzkuchen mit Honig".

Der Rat ist einfach: nutzen Sie Ihren Besuch Menorcas zu einem gastronomischen Spaziergang durch die Geheimnisse seiner Küche. Sie werden es nicht bereuen.

Die Mayonnaise

Die Mayonnaise-Sauce ist vielleicht eine der internationalsten und köstlichsten aller Saucen. In den von uns gesammelten historischen Anmerkungen erwähnen wir, das Engländer und Franzosen als Zeugnis ihres Aufenthaltes auf Menorca unter anderem zwei Dörfer europäischen Zuschnittes hinterlassen haben. Mitgenommen hat jedoch andererseits der Koch des Fürsten Richeliu das Rezept für die Mayonnaise-Sauce.

Der Nobelpreisträger Camilo José Cela sagt in einem köstlichen, im Jahre 1972 veröffentlichten Artikel: "es könnte noch soweit kommen, das urkundlich belegt wird, das es Richeliu selbst war, der ihr den Namen "Mayonnaise" verlieh. Auf dem Speicher einer menorquinischen Familie liegt noch - Falls ihn nicht Feuchtigkeit verdorben hat oder Mäuse ihn zernagt haben - ein Brief des Fürsten, des Mannes, der so viel Geschmack an Speisen wie an Frauen fand, der schon in den achtziger Jahren, die dritte Ehe einging und in beiderlei Hinsicht ein Nimmersatt war; der Brief war an jene verliebte Großmutter gerichtet, die es in jeder besseren Familie gibt, und der uns interessierende Abschnitt lautet wie folgt: "... und sollte ich Euch jemals vergessen, Madame, diese zarte Sauce, mit welcher Ihr meinen Gaumen so viele Male glücklich machtet, wird mich stets an Euch erinnern, und von jetzt an will ich sie, da ich ihr nicht Euren Namen geben kann, nur noch Mayonnaise nennen".

Fest steht zumindest, das seit diesem Juni des Jahres 1756 eine der größten Köstlichkeiten der alten menorquinischen Küche, die Mayonnaise-Sauce, in der ganzen Welt bekannt wurde. Der Fürst von Richelieu, Spötter und Ungläubiger, hätte sich wohl kaum vorstellen können, das, nachdem er bei Ludwig XV. in Ungnade gefallen war, das einzige Positive und Bleibende seiner Eroberung Menorcas die Sauce sein würde, diese bescheidene und nahrhafte Sauce aus Öl und Ei, die er auf menorquinischem Boden entdeckt hatte, und welche durch die feine französische Küche internationale Verbreitung finden sollte.

Der Gin

Der "Gin" ist zweifelsohne das beliebteste Getränk Menorcas. Die Wurzeln seiner Entstehung und Herstellung auf der Insel gehen weit in dessen Geschichte zurück.

Nach Ansicht der Sachverständigen wurde gegen Ende des Mittelalters die Verwendung des Destillierkolbens zur Herstellung des "Lebenswassers" üblich, wie es die Mystiker und Alchimisten dieser Epoche zu nennen pflegten. Seit Galen ist auch die heilsame Wirkung des Wacholders auf die Nieren bekannt, die so vorzüglich ist, das schon in der antiken Apothekenkunst Mittel wie Wacholderhonig oder heißer Wein mit Wacholderbeeren Verwendung fanden. Von diesem "Lebenswasser", dem aqua vitae, ging es dann zum "Wacholderwasser" weiter, dem Destillat aus einem Alkohol- Wacholderbeeren-Gemisch. Diese Erfindung verzeichnete einen umwerfenden Erfolg zu Regierungszeiten des Königs Wilhelm III. von England. Der Missbrauch hatte derartige Ausmaße angenommen, dass das britische Parlament schließlich 1736 das "Gin-Gesetz" erließ, welches die Destillation und den Verzehr von Gin untersagte, wie dieses Getränk inzwischen genannt wurde.

Es ist ziemlich sicher, das die Engländer, die seit 1708 auf Menorca ansässig waren, das Verbot nicht sonderlich ernst nahmen und weiterhin Wacholder destillierten, den "Gin", und zwar zum Eigenverbrauch, denn die Hauptstadt war ja weit entfernt. Seit diesen weit zurückliegenden Zeiten ist nun der Gin auf der Insel ein traditionelles und beliebtes Getränk.

Der Menorca-Gin unterscheidet sich deutlich von anderen Ginsorten, wohl weil er unter Verwendung von Weintraubenalkohol und nicht von Getreidealkohol hergestellt wird, und er erhält sein besonderes Aroma durch hübsch glänzende Wacholderbeeren, welche diesem Gin einen unvergesslichen feinen und nachhaltigen, klaren und milden Geschmack verleihen.

Wohl um die Zahl der Gelegenheiten, ihren Gin zu genießen, zu erweitern, verdünnen die Menorquinern, ihren Gin mit etwas Sodawasser und geben ein Stück Zitronenschale hinzu: das Ergebnis nennen sie: "pellofa", und es ist ein hervorragender Aperitif. Auf Volksfesten pflegt man Gin mit Limonade gemischt zu trinken, die berühmte "pomada".

Der Käse

Der "Führer der spanischen Käsesorten" beschreibt den Mahon-Käse als "Kuhmilchkäse, hin und wieder mit geringen Anteilen Schafsmilch gemischt. Von der Form eines schiefen Quaders mit abgerundeten Ecken und Kannten, mit fester Rinde unterschiedlicher Färbung, zwischen gelblichweiß und hellbraun. Mit sehr fester weißer oder gelblicher Masse, von Geschmack und Aroma, die Löcher glanzlos und unregelmäßig verteilt im Zentrum der Masse ...".

Diese strenge Klassifizierung vermittelt wenig von der subtilen Feinheit des Geschmackes eines Stückes Weichkäses oder vom aromatischen Gehalt eines ausgereiften Käses. Er hat die Qualität eines handwerklich mit traditioneller Sorgfalt zubereiteten Käses und wird durch sein Herkunftsmarkenzeichen geschützt.

Die Tradition der Käseherstellung auf Menorca datiert aus dem Altertum. Im 5. Jahrhundert erwähnt ein Hirtenbrief des Bischofs Severo des "casum" als Nahrungsmittel der Menorquiner. Ein altes Dokument aus dem Jahre 1360 berichtet davon, das Menorca den Königen Jaime I. und Peter II. Käse offerierte.

Während des 15. Jahrhunderts sind es die italienischen Handelsleute, welche für den Export in andere Länder sorgen.

Eine hervorragende Mischung von Regen, Feuchtigkeit und Weideland, diese Wiesen, welche Menorca wie ein grünes Gewand bedecken, das ist das beste und saftige Szenarium für das angenehme Leben seiner Kühe, die Grundlage seines hochwertigen Käses.

Die Herstellung des Käses, des frischen, gereiften oder gealterten - je nach Dauer der Verarbeitungszeit -, ist Aufgabe der "madones", der Landfrauen, wobei gemäß Rezeptur und Ritus der Ahnen die Verkäsung sofort nach dem Melken begonnen wird, sodass ein baldiger Gerinnungsprozess einsetzen kann.

Alles in allem: eine Köstlichkeit für den anspruchsvollen Gaumen und zugleich eine wichtige Einnahmequelle für die Wirtschaft der Insel.