Vorgeschichte

Das erste in Spanien veröffentlichte Buch über Archäologie ist von einem Menorquiner verfasst worden: Joan Ramis veröffentlichte im Jahre 1818 seine Studie über "antike Zeitrechnung". Sicher bietet Menorca ein immens weites Feld für archäologische Studien. Unsere Frühgeschichte liefert eine ungewohnte Fülle von Spuren und Relikten. Experten haben über 1.000 bedeutungsvolle Bauten katalogisiert, weshalb Menorca auch als "Freiluftmuseum" bezeichnet wird.

Um einen kleinen geschichtlichen Überblick zu geben, müssen wir im Jahre 3.000 v.Chr. beginnen, in der so genannten archaischen Periode, aus welcher bereits Relikte analysiert worden sind. Nach einem Zeitsprung von 1.000 Jahren, also im Jahre 2.000 v. Chr., entwickelt sich Menorca zur Zwischenstation auf dem Wege zur iberischen Halbinsel. Auf der Insel leben Jäger und Sammler, ein friedfertiges Volk; es ist Menorcas so genannte prä-talayotische Periode, in der Menschheitsgeschichte beginnt die Bronzezeit.

Eine der wesentlichen Eigenheiten der prä-talayotischen Siedlungen in das Fehlen jeglicher Verteidigungsanlagen, woraus die Forscher schließen, das es sich um eine friedliche Gesellschaft gehandelt hat, weit entfernt von den kriegerischen Konflikten, die sich später ergeben sollten. Drei antike Völker nahmen zwischen den Jahren 1.400 und 300 v.Chr. Kurs auf die Häfen von Menorca, gerade in der Epoche der megalithischen Hochkultur: die Phönizier, die Griechen und die Karthager.

Während dieser Jahre werden die Navetes erbaut, welche mit zu den ältesten megalithischen Bauten gehören. Ihren Namen verdanken sie der Form, die an ein umgestürztes Schiff erinnert. Die Navetes wurden anfangs als Wohnung und später dann als Bestattungsort verwendet. Doch als Monument, welches zu den umfangreichsten Theorien und Spekulationen Anlass gegeben hat, ist zweifellos die Taula, deren symbolische Bedeutung und genauer Zweck uns noch heute unbekannt ist. Die Taula besteht aus zwei enormen glatten Steinen von rechteckiger Form, deren größerer in der Erde versenkt ist, und auf welchem der andere in absolutem Gleichgewicht in horizontaler Lage ruht. Das Gebilde hat die Form eines großen "T" und wurde mit der heiligen "tau" Indiens verglichen. Noch immer streiten Archäologen über seine Bedeutung, die einen ordnen es Sternentempeln der iberischen Religion zu, andere messen ihm die Funktion einer Zentralsäule eines Gebäudes zu, wieder andere sehen in ihm einen Opferalter, und mancher glaubt sogar, die Taula sei ein Symbol sonnenanbeterischer Riten. Eines jedoch ist gewiss, das Geheimnis der Taula besteht noch heute.

Eine Legende berichtet, Hannibal sei auf Menorca geboren worden; was jedoch sicher ist, ist das ein großer Teil des karthargischen Heeres aus Menorquinern bestand, bis dann im Jahre 123 v.Chr. der römische Konsul Quintus Cecilius Metellus die Insel anlief, wobei er seine Schiffe mit Leder abschirmte, um sie vor Beschädigung durch die Steine zu schützen, welche die treffsicheren Insulaner auf sie herabprasseln ließen.
Quintus Cecilius Metellus unterwarf Menorca der Herrschaft des römische Reiches, und Maó wurde zur Stadt (Municipium Flavianum Magontanum). Die Insel durchlebte dann eine Periode des Friedens bis zu ihrer Eroberung durch den Vandalen Genserico, welcher sie seinem nordafrikanischen Reich einverleibte. Dies geschah im Jahre 427 unserer Zeitrechnung und führte zu einer Epoche der Isolation und des Verfalls.

Geschichte

Man schrieb das Jahr 534, als die Byzantiner Menorca eroberten, welches in der Folge dann vom justinianischen Hof beherrscht wurde.

Nach den so genannten "dunklen Jahrhunderten", während derer die frühchristlichen Basiliken von Fornás de Torelló, Son Bou oder Fornells erbaut wurden, und während welcher die Feldzüge Abd Allh Ibn Musas und Abderramans II. erfolgten, was die Menorquiner veranlasste, Kaiser Karl den Großen um Schutz zu bitten, oder während derer die Überfälle der Wikinger oder Normannen stattfanden, brach für Menorca eine Epoche grundlegender Bedeutung für seine Geschichte an: die Araberherrschaft, und auch wenn sie nur 350 Jahre andauerte, hinterließ doch wesentliche Spuren, vor allem in der Ortnamensgebung. Tatsächlich wurde Menorca im Jahre 902 ohne Widerstand dem Kalifat von Córdoba eingegliedert. Jahre später übernahm das Taifenreich von Denia die Kontrolle, um dann 1087 mit den übrigen Inseln dem unabhängigen Muselmanenreich eingegliedert zu werden; 1203 schließlich bemächtigten sich die Almohaden der Balearen. Jaime I und die katalanisch-aragonesischen Truppen schifften sich um Jahre 1229 von Mallorca aus ein, und drei Jahre später mussten die Muselmanen für Menorca Frondienste leisten.

Am 17. Januar 1287 wird ein weiteres bedeutendes Ereignis unserer Geschichte verzeichnet: Alfonso III., der "Liberale", König von Katalonien und Aragonien, erobert Menorca. Nach der Vertreibung der Muselmanen, an deren Spitze Abu Omar stand, erfolgte eine Neubesiedlung mit Katalanen, unter denen das Land aufgeteilt wurde. Diese Geschehnisse formen die Grundlage der heutigen menorquinischen Gesellschaft.

Im Ablauf des 14. Und 15. Jahrhunderts durchlebt Menorca verschiedene Stufen der Abhängigkeit von mallorquinisch-katalonischen Herrscherhäusern. Während dieser Jahre wird der Gerichts- und Verwaltungsapparat aufgebaut, und es entstehen die Siedlungsstrukturen und Stadtformen, die die Grundlage der heutigen Land- und Gemarkungsaufteilung Menorcas werden sollten. Die menorquinische Landwirtschaft spezialisierte sich auf die Schafzucht, deren Wolle Gegenstand reger Handelstätigkeit und Beginn eines interessanten Textilgewerbes auf handwerklicher Ebene wurde.

Spätere Wirtschaftskrisen und soziale Unruhen in der Hauptstadt leiteten zusammen mit anderen Widrigkeiten wie Seuchen und Dürren eine Epoche der Armut und Epidemien ein. Zu diesem düsteren Bild der Lage kommt noch im September 1535 die Belagerung Maós und seine nachfolgende Zerstörung durch Barbarossa hinzu. Nicht allzu viele Jahre waren verstrichen, als die Türken am 9. Juli 1558 Ciutadella dem Erdboden gleichmachten und über dreitausend Gefangene mit nach Konstantinopel nahmen, wodurch die Hauptstadt der Insel fast von der Landkarte verschwand. Soviel Nöte und Probleme veranlassten den König Philip II., die Entvölkerung der Insel vorzuschlagen, nur eine kleine Militärgarnison sollte dort verbleiben. Dieses Vorhaben wurde nicht verwirklicht.

Aufgrund des spanischen Thronfolgekrieges, vor dessen Hintergrund sich ein Ringen um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum seitens der europäischen Mächte abspielte, hörte Menorca auf, eine kleine Insel mit Nöten und Problemen zu sein und gewann ständig größere Bedeutung aufgrund seiner strategisch günstigen geographischen Lage. So erfolgt am 29. September 1708 in Alcaufar die englisch-holländische Landung unter Führung des Generals James Stanhope, welchen sein König später mit der Verleihung des Titels eines Vicomte von Mahón belohnen sollte, und dessen Truppen sich der Gouverneur Menorcas, Leonardo Dávila, ergab. Mit dem Vertrag von Utrecht nahm im April 1713 der Fürst von Argyle Besitz von Menorca im Namen der Königen Anne von England.

Mit der englischen Herrschaft waren die langen Jahre der Isolation und Armut vorüber. Die Menorquiner gedenken noch heute des Gouverneurs Richard Kane nicht nur wegen der Verlegung der Hauptstadt nach Maó aufgrund der Bedeutung seines Hafens, sondern auch weil er als aufgeklärter Klassiker dem Wirtschaftsleben neue Impulse gab, die erste Straßenverbindung von Ciutadella nach Maó bauen ließ und dem Agrarsektor neuen Auftrieb gab.

Im Jahre 1756 landete in Ciutadella Fürst Richelieu, Marschall von Frankreich und Neffe des berühmten Kardinals, in Begleitung von fünf Feldmarschallen. Der Prinz von Beauvent, der Graf von Lannion, der Marquis von Montmorency, der Marquis von Roquepine, der Fürst von Fronsac oder der Graf von Maillebois und weitere vornehme Persönlichkeiten von Frankreichs Militär und Adel begleitet von Richelieu. Nachdem die Rettungsaktion des Admirals John Brings und seiner Hilfstruppe von der französischen Flotte des Admirals Galissonière vereitelt wurde, liefert der englische Gouverneur William Blakeley ihm die Insel aus. So wurde im "Siebenjährigen Krieg" Menorca von den Franzosen besetzt, welche das Dorf Sant Lluis gründeten. Menorquiner der gehobenen Schichten beginnen das Studium an französischen Universitäten.

Im Pariser Frieden wird Menorca im Jahre 1763 an England zurückgegeben. In dieser Epoche liegen die Anfänge des heutigen Dorfes Es Castell, welches seinerzeit zu Ehren von König George III. von England Georgetown genannt wurde.

Im Jahre 1782 landeten französisch-spanische Truppen in Sa Mesquida und erzwingen vom englischen Gouverneur James Murray die Auslieferung der Insel an den Fürsten von Crillón, wodurch Menorca der spanischen Krone zufällt. 1798 erfolgt eine weitere Landung der Engländer in Addaia, Menorca gerät ein weiteres Mal unter die Herrschaft der englischen Krone. Während dieser dritten englischen Herrschaft besuchte Lord Nelson, im September 1799, an Bord der "Faudroyant" Menorca.

Schließlich, und diesmal endgültig, fällt Menorca aufgrund des Vertrages von Amiens wieder der spanischen Krone zu.

Im 19. Jahrhundert bewirkte das Verbot des Weizenhandels zwischen Odessa und den spanischen Häfen, von welchem die Menorquiner zum Teil lebten, den Ruin der Händler und Reeder der Insel, und zahlreiche Menorquiner wanderten nach Algerien aus. Mit dem Niedergang von Handel und Seefahrt orientierte sich die Wirtschaft sodann stärker in Richtung Industrie.

Im Jahre 1873 wird die spanische Republik ausgerufen, was vom Bürgertum mit großem Interesse aufgenommen wird. Nach der Wiederherstellung der Monarchie bilden sich von 1874 an zwei große Parteien: die konservative und die republikanische, zwei Parteien, die großen Einfluss auf das politische und soziale Leben bis hinein ins 20. Jahrhundert haben sollten.

Im Jahre 1909 wird die "Gesellschaft zur Interessierung von Fremden" gegründet, nachdem man sich der Bedeutung des Tourismus bewusst geworden war. Nach dem spanischen Bürgerkrieg, genauer gesagt im Jahre 1953, findet ein für die Zukunft der Insel wesentliches Ereignis statt: nach einer Zwischenlandung in Perpignan kommt aus London das erste Charterflugzeug auf Menorca an.